Auch wenn es in Südengland Gegenden mit Palmen gibt, so
empfindet der Kontinentaleuropäer die Region um Chichester im
Herbst doch schon als kühle Gegend. Generell gilt es, den
Dresscode des Revivals und das Verlangen nach Wärme in Einklang
zu bringen. Engländerinnen in ärmellosen Sommerkleidern sind
nicht etwa gefühllos, oder härter im Nehmen. Die 'Goose Bumps'
lassen eindeutig erkennen, dass auch ihnen kalt ist. Dieses Jahr
war jedoch alles anders.
War es am Donnerstag noch
leicht bewölkt, so waren Freitag bis Sonntag ohne Sonnenbrille
nur schwer zu überstehen; und das jeweils bei Tagestemperaturen
deutlich oberhalb der 20°C.
Die LG Hammonia war in
Goodwood wieder gut vertreten. Rudolf E. nahm mit einem
Brabham-Ford BT2 (Startnummer 93) mit 1.098ccm aus dem Jahr 1962
am Chichester Cup teil, einem 20 Minuten Rennen für Formel
Junior Wagen aus den Jahren 1960-1963 mit Heckmotor und
Scheibenbremsen. Ferner waren Holger O., Klaus S., Wiebke und
Florian W. sowie Knud S. und Katarina K. angereist.
Diejenigen, die darum wissen, kommen bereits am Donnerstag
Nachmittag auf den Rasen vor dem Goodwood House, wo das
traditionelle Cricketspiel der Fahrer stattfindet. Einige
hundert Zuschauer und tolle Fahrzeuge boten den Teilnehmern eine
hervorragende Einstimmung auf die nächsten Tage.
Keine
10 Minuten nach der Ankunft trafen wir bereits Gabriela und
Hermann M. von der LG Bodensee sowie einige bekannte Gesichter
vom MG Club.
Wollten wir uns jetzt dem englischsten
Spiel aller Spiele hingeben, Cricket, fand dieser Versuch
schnell ein jähes Ende. Durch einen sehr außergewöhnlichen
Schlag wurde eine Mannschaft zum Sieger erklärt, da sie
punktemäßig nicht mehr hätte eingeholt werden können. Um die
Zeit bis zur Flugshow zu überbrücken, fand jedoch ein neues
Spiel statt, da man den Gästen schließlich etwas bieten wollte.
Jochen Mass hat dieses Jahr zwar nicht mitgespielt, gilt aber
als relativ guter Cricketspieler. Für Menschen vom Festland
erschließen sich die Regeln dieses Spiels nicht. Das ist aber
wohl auch so gewollt.
Den offiziellen Abschluss des
ersten Tages krönte wieder eine Spitfire, die zwischen den
Bäumen das Cricketfeld anflog bzw. angriff. Der Überflug
erfolgte in einer Höhe von gut 15m und mit gut 300 Sachen. Im
Anschluss schoss der Flieger wieder senkrecht in den Himmel.
Eine immer wieder beeindruckende Vorführung dieser tollkühnen
Männer in ihren fliegenden Kisten. Dafür lieben wir England.
Der Freitag ist generell ein sehr entspannter Tag, da die
gesamte Veranstaltung noch nicht so überlaufen ist und die
Fahrer trainieren, Motoren einstellen und sich mental
vorbereiten. Wer das Revival kennt, hatte keine
Orientierungsprobleme, da alles beim alten geblieben ist. Ein
erster Blick gebührt immer dem Parkplatz, der per se
beindruckend ist und für dessen Besichtigung man einige Stunden
einplanen kann. Hierbei nutzen auch nicht wenige die Chance, an
ihrem Wagen zu picknicken. Das natürlich stilecht mit Tisch und
Stühlen, Tischdecke, Blumen in einer Porzellanvase,
Silberbesteck und dem guten Porzellan.
An den Ständen
auf den Freiflächen vor und auf dem Gelände findet man, wie
immer bei solchen Veranstaltungen, alles Mögliche an Nützlichem
sowie an unnützen Dingen. Es geht los beim Renntransporter der
bei Bonhams angeboten wird und endet beim Lederlappen für die
heimische Garage. Dazwischen findet man alles, was die
Vorstellung hergibt.
Bei der St. Mary´s Trophy, einem 25 Minuten Rennen für
Limousinen, die zwischen 1950 und 1959 an Autorennen
teilgenommen haben, geht es bekanntlich hoch her. Jaguar Mark 1
fliegen übersteuernd aus der Schikane in die Start/Ziel-Gerade,
wobei der Fahrer sein gesamtes Können benötigt, um den Wagen
wieder in die Spur zu bringen. Bei diesem Rennen verlor ein
1958er Riley One-Point-Five auf der Zielgeraden sein linkes
Hinterrad samt Steckachse. Die Funken flogen, das Rad schlug
gegen die Bande der Pit-Lane und von dort im hohen Bogen in
Richtung Zuschauertribüne. Letztendlich blieb es gut einen Meter
von einem weißen Holzzaun liegen, hinter dem diverse Zuschauer
das Rad bei der Landung betrachteten. Wer jetzt an Rennabbruch,
Ende der Veranstaltung, Berufsgenossenschaft, Polizei etc.
denkt, liegt falsch und kommt vermutlich aus Deutschland.
Engländer feiern den Fahrer, der erst an der nächsten Kurve
merkte, dass ihm ein Rad fehlte. Das Rennen ging weiter. Der
'Flug des Rades' kann unten angesehen werden.
Es war
wieder ein grandioses Wochenende, das man mit Worten nur
unzureichend beschreiben kann. Goodwood muss man erlebt haben.
Die Bilder geben nur einen vagen Eindruck über das Flair dieser
Veranstaltung. Eines ist klar. Im nächsten September geht es
wieder nach Chichester. Die B&B' s sind bereits gebucht.
Insgesamt zählte das Revival dieses Jahr an drei Tagen 148.000
Besucher. Der Wert aller gemeldeten Fahrzeuge (ohne die der
Besucher) wurde auf knapp 200 Millionen Euro geschätzt.